© Zeno Göschl

Wenig Schnee und hohe Lawinengefahr

Skitourenwochenende in Mallnitz

26.02.2026

Donnerstagabend, 21:30 Uhr. Ein ungewöhnlicher Start für eine Bergtour: Es geht mit dem Nachtzug in die Tauern. Nachdem wir eine Viertelstunde lang Tetris mit dem Gepäck gespielt haben, ist auch alles verstaut und wir können unser Bett beziehen. Gemütlich ruckelt der Zug durch die Nacht, und als um kurz vor 5 der Wecker klingelt, bin ich erstaunlich ausgeschlafen.  

Ohne Hektik machen wir uns vom Bahnhof Mallnitz auf ins Dösner Tal zum Arthur-von-Schmid-Haus. Wir haben keine Eile, denn die ursprünglich geplante Durchquerung hatten wir schon bei der Vorbesprechung ausgeschlossen - viel zu große Lawinengefahr. Stattdessen steht "einfach was lernen" auf dem Programm, und da haben mit unseren Guides Klaus Miebach und Zeno Göschl perfekte Voraussetzungen. Die Rucksäcke schwer beladen mit Hochtourenausrüstung und Essen laufen wir also los, eine geschlagene Stunde zu Fuß, bis wir endlich Schnee finden und die Ski anschnallen können.  

Als wir gegen Mittag die Tür zum Winterraum öffnen, kommt Euphorie auf: Eine wunderschöne Glasfront eröffnet den Blick auf die umliegenden Berge. Wir werden von Dominik mit Kartoffelpuffer verköstigt und starten gestärkt in Richtung der Lawinenkegel vor der Hütte. Uns treibt die Frage um, wie in so einem flachen Gelände Lawinen abgehen konnten. Als wir näher kommen erkennen wir, dass der Hang im oberen Bereich doch im Bereich von 35° ist, und beim Graben von Schneeprofilen finden wir zahlreiche Schwachschichten in den Triebschneepaketen - ganz zu schweigen von der Altschnee-Schwachschicht am Boden. Doch beim ECT-Schneedeckentest (Extended Column Test) zeigt sich erst spät ein Bruch, keine Fortpflanzung. Sichere Bedingungen? Von wegen! Als ich wieder etwas abfahre, auf einmal ein lautes WUMM. Klaus, der 50 Meter über mir steht, meint, er sei gerade spürbar abgesackt. Die dicke Schicht oberhalb der Schwachschicht ist am Übergang von - wie es im Lawinenlagebericht immer so schön heißt - "wenig zu viel Schnee" dünn und konnte so getriggert werden. Abgegangen ist zum Glück nichts - wie vorher analysiert, reichte das kleine Steilstück in dem sonst eher flachen, kleinen Hang nicht aus, um eine Lawine auszulösen.

Selten lässt sich neues Wissen so direkt in der Praxis erfahren, und so konnten wir wahnsinnig viel lernen. Am zweiten Tag ging es etwas höher hinaus Richtung Mallnitzer Scharte und für Klaus, Michael und Jonas sogar bist zum Säuleck, während wir mit Steigeisen am Grat trainierten. Am letzten Tag stand noch eine Verschütteten-Suchübung im echten Lawinenkegel auf dem Programm. Dazu jeden Abend ein perfektes, selbstgekochtes 3-Gänge Menü und immer super Stimmung innerhalb der Gruppe - was will man mehr? Da ist auch verkraftbar, dass man auf den Komfort von Dusche und Co. verzichten muss.

Und so bleibt die Erkenntnis, dass man auch bei schlechten Bedingungen eine fantastische Zeit haben kann, man muss nur bereit sein, seine Pläne anzupassen.

Adrian Keil