Was für eine Woche in den Bündner Alpen! Wir haben die Haute Route Graubünden gerockt. Unsere Truppe – Dominik Gelsheimer (unser Guide), Cristina, Jan und Ralf – hatte im Powder den Spaß ihres Lebens. Hier ist der Rückblick auf unsere sechs Tage Hochgebirgs-Action:
Tag 1: Anreise & Hütten-Luxus
Die Anreise zum Julierpass via Bahn und Schneetourenbus war tiefenentspannt. Zum Warmwerden gab es eine erste kleine Tour – inklusive tierischer Begleitung durch den Hund des Hüttenwarts! Das Wetter war mit Schneefall und Wind zwar noch ungemütlich, aber die Unterkunft hat alles rausgeholt: Bodenheizung im Bad und ein Frühstück „auf Vertrauensbasis“ (nur wir und die Überwachungskamera). Das Ergebnis? Unbegrenzt Cappuccino, Espresso und eine Essensauswahl, die keine Wünsche offen ließ.
Tag 2: Julierpass – Chamanna Jenatsch
Eigentlich stand der Piz Surgonda (3196 m) auf dem Plan, aber die Lawinensituation zwang uns zum Umdenken. Stattdessen ging es vorsichtig über die Fuorcla d’Agnel. Das Glück war uns hold: Bei blauem Himmel nahmen wir die Fuorcla da Flix noch mit – mal wieder mit einem Tourengeher-Hund als Guide! Das Abendessen in der Hütte war top, die Heizung leider eher Flop. Wir haben uns dann beim „Poison“-Kartenspielen warmgezittert.
Tag 3: First Line zur Chamanna d’Es-cha
Kaiserwetter! Dank eines Bergführers, der uns die steile Flanke der Crasta Jenatsch frisch gespurt hatte, konnten wir unterhalb des Piz Laviner in eine gigantische Abfahrt nach Naz starten. Das Ergebnis: First Line im unverspurten Hang! Nach dem Boxenstopp im Zug von Preda nach Madulain folgte der zähe Aufstieg zur Chamanna d’Es-cha. Mit insgesamt 1400 Höhenmetern in den Knochen war das ein richtig harter, aber genialer Tag.
Tag 4: Königsetappe zum Piz Kesch
Wieder strahlender Sonnenschein! Über die Porta d’Es-cha ging es zum Skidepot am Piz Kesch (3418 m). Der Gipfel hatte es in sich: Steile Schneerampen, 2er Kletterei und ausgesetzte Querungen – für eine (AD-) -Bewertung („ziemlich schwierig“) war das schon angemessen! Ein Hoch auf Dominiks Rucksack: Die „Wundertüte“ lieferte bei den kalten Temperaturen alles von extra Handschuhen bis zur Überhose. Die Aussicht auf Bernina und Ortler war phänomenal, gefolgt von einer Traumabfahrt im breiten Gletscherbecken zur Kesch-Hütte.
Tag 5: Whiteout am Scalettahorn
Am fünften Tag zeigte uns der Berg die kalte Schulter: Schneefall, Wind und Null Sicht. Am breiten Grat zum Scalettahorn (3068 m) kletterten wir zuerst durch eine Wechte an einem kleinen Steilhang. Die letzten 50 Meter zum Gipfel hieß es: Ski auf den Rucksack und ab durch den Tiefschnee im kompletten Whiteout! Die Abfahrt zur Grialetsch-Hütte war unter diesen Bedingungen eher ein Blindflug als ein Genuss.
Tag 6: Finale am Piz Sarsura & Abfahrt nach Susch
Zum Abschluss ging es auf den Piz Sarsura (3132 m). Der Aufstieg war im Finale steil unter einer Wechte, gefolgt von einem unschweren, aber leicht ausgesetzten Schneegrat zum Gipfel. Bei warmen Top-Bedingungen gab es noch einmal Panorama satt! Die Abfahrt nach Susch war der krönende Abschluss, auch wenn wir die letzten vier Kilometer die Ski tragen mussten. Müde, aber glücklich ging es mit dem Zug zurück nach Deutschland.
Ein riesiges Dankeschön an Dominik – das war Alpinismus vom Feinsten!
Ralf Behrens