© Wilhelm Rath

Schraube locker

Tuxeralpen-Durchquerung von Hochfügen bis Navis

21.03.2026

Am Samstag starten wir zu viert – Yvonne, Tim, ich und unser Guide Felix Breithaupt  -  am Münchner Hauptbahnhof. Wir wollen nur ins Zillertal, aber weil der Zug nach Verona weiterfährt, sind die Ansagen dreisprachig. Echt europäisch…

Über Jenbach erreichen wir Fügen und mit dem Bus schließlich das Skigebiet Hochfügen. Dort bereiten wir uns am Parkplatz für den Aufstieg vor.

Ich steige in meine Skibindung und denk mir: komisch wie das wackelt. Beim ersten Schritt geht die Bindung wieder auf. Beide Schrauben sind locker. Wir schauen zum Skiladen am Lift, dort empfiehlt man mir Leih-Ski. Inzwischen ist es 11 Uhr.

Ich hole noch die Packung für die Felle, da kommt der Senior Chef vom Laden. Ja er würde das aufbohren, Plastikgewinde und Laim einfüllen, und nach einer Stunde Trocknen sollte es passen.

Um 13 Uhr geht es endlich los in Richtung Kreuzjoch. Es ist sonnig, immer mal wieder ein paar Schneeflocken, und die Bindung geht immer wieder auf. Nach Entfernen von Schnee und Eis scheint es besser, aber irgendwie ist schon der Wurm drin. Wir kommen schließlich gut an der Rastkogelhütte an. Die Ski kommen in den Schuhraum, der Kleber härtet aus und oben gibt es gewaltige Mengen Pasta, für Nicht-Vegetarier auch Schweinebraten!

Die Nacht ist erholsam, morgens begrüßt uns die Sonne, und nach kurzer Abfahrt steigen wir Richtung Südost wieder auf zum Rastkogel (2.762 Meter) auf. Felix schlägt vor, links den Gipfelanstieg in Angriff zu nehmen. Es wird uns aber zu steil und zu eisig, und so gehen wir rechts herum. Ein schöner Gipfel, nur die Sicht ist etwas diffus. Das merken wir auf der Abfahrt bis zur Haglhütte, wo wir eine gemütliche Rast einlegen.

Nun geht es wieder bergauf. Schneefall setzt ein und Wolken ziehen herauf. Wir kommen gut auf der Halslspitze (2.570 Meter) an, es ist nur leider etwas zugig. Das Wetter bessert sich wieder, Sicht ist gut und die Abfahrt bis zur Weidener Hütte rasant. Hier sitzen wir auf der Sonnenterrasse - für zwei von uns gibt es Apfelstrudel mit ordentlich Vanille-Soße. Eine Gruppe Tiroler unterhält sich. Der eine zum anderen: „Wie oft hat Dein Lawinenrucksack schon ausgelöst?“ Antwort: „Weilst Du fragst, schon ein paar Mal. Aber letztens bin ich im Auto mit dem Auslöser hängen geblieben. Dann ist ein Deutscher zum Auto: Hast Du das geplant im Auto so?“ Wir gelacht, naja die Deutschen halt…

Die Hütte ist geräumig, der Empfang freundlich. Wir bekommen das neue 5er Zimmer und eine heiße Dusche. Was soll jetzt noch schief gehen?

Montag 6:30 Uhr läutet der Wecker (eine Nachtigall). 7 Uhr Frühstück und um 8 Uhr geht's los. Der Hüttenwirt besteht darauf - Anstieg von Norden aufs Hobarjoch (2.512 Meter) geht nicht. Also gehen wir das Tal zurück und steigen über einen Bogen zum Gipfel. Es schneit und ist bewölkt, bessert sich wieder. Die Abfahrt mit einer schönen weichen Neuschnee-Auflage macht viel Freude.  Wir lernen einige Kommandos von Felix: „Also wenn ich mit Handy dastehe und Video mache, NICHT stehen bleiben, sondern den Hang zügig weiter runter.“ Oder: „Also wenn man so eine Abfahrt mit einer Vierergruppe fährt, müssen von unten auch vier einzelne Spuren zu sehen sein.“

 

Rast an der Fallruckalm bevor es wieder hinauf geht - ins Militär-Gebiet. Aber geschossen soll heute nicht werden. Um 13.30 Uhr ist die Torspitze (2.663 Mater) erreicht und um 14.30 Uhr gibt es schon einen leckeren Birnenkuchen mit ordentlich Schlag! Felix schwärmt vom lokalen IPA-Bier, das wird ein Genuß!

Mehrere Gruppen starten Richtung Geier (2.857 Meter) aber wir setzen uns durch und erreichen einsam bei Sonnenschein und bester Sicht den Gipfel.

Felix spurt wie zuvor schon souverän die Hänge hinauf und saniert die Altspur auf etwa zehn Prozent der ursprünglichen Spitzkehren und Kurven sowie eine kultivierte Steigung. Nach gemütlicher Rast und Ankunft weiterer Gruppen sausen wir unberührte, sanfte Hänge mit perfekten Bedingungen bis auf 2.200 Meter hinunter. Das Wette- Fenster haben wir optimal genutzt, für den nächsten Tag ist Schnee und ein Temperatur-Sturz angekündigt.

 

Es geht wieder hinauf bis zum Naviser Kreuzjoch (2.563 Meter). Von dort hinunter über  schöne Hänge, eine halbe Stunde Abstieg und schon geht es mit Bus und Zug zurück Richtung München.

Es waren wunderbare Tage in den Tuxer Alpen. Vielen Dank Felix für Deine souveräne Führung mit Charme und Esprit!

Wilhelm Rath