Eine gute Woche vor Tourenstart hat es nicht nur im Allgäu und in Vorarlberg heftig geschneit, sondern auch im Lechtal, sodass die Tour nicht wegen Schneemangel storniert werden musste. Unser Leiter Harald Löhnert bereitete uns - Alexandra, Egon, Karl-Friedrich, Luisa und mich - jedoch gleich bei der ersten Lagebesprechung darauf vor, dass wir uns, aufgrund der heiklen Lawinensituation (Alt-/Neu-/Triebschnee), auf viel begangene Touren beschränken mussten. Da war das Galtjoch (2.109 m / 960 hm) ein perfektes und landschaftlich schönes Ziel - umso schöner noch, da die Ehenbichler Alpe zur Einkehr lockte und wir bei bestem Wetter draußen sitzen konnten. Die stollenden Felle im Aufstieg waren da längst vergessen.
Im Hotel in Stanzach angekommen, waren wir die einzigen Gäste und hatten daher anderntags das schöne reichhaltige Frühstücksbüffet für uns alleine. Auf der Anfahrt zum Ausgangspunkt der Hinteren Steinkarspitze (2.215 m / 870 hm) sah es zunächst so aus, als ob wir die halbe Wegstrecke durch den Wald tragen müssten, jedoch konnten wir diese Passage auf einem Forstweg fast bis zum Kelmer Jöchl überwinden. Danach gings auf griffigem Untergrund bis zum höchsten Punkt. Der Blick in die Runde zeigte: es brauchte dringend Schnee. Da wir alle noch genügend Energie hatten, grub jeder einen kleinen Rutschblock, der das Altschneeproblem sehr gut verdeutlichte.
Da die Lawinensituation weiterhin angespannt war, zogen wir am nächsten Tag los über die Fallerscheinalpe Richtung Namloser Wetterspitze (2.553 m). Ein sehr imposantes schönes Tal. Am Joch auf ca. 2.100 m (950 hm) unter dem finalen Gipfelanstieg war der Schnee nur noch ein Flickerlteppich. Die Alternativen waren nach dem Skidepot entweder weiter zu Fuß mit Steigeisen oder es gut sein lassen. Nach einer längeren Mittagspause entschieden sich alle für die Abfahrt. Trotz des flachen Tals ließ sich alles mit Skiern gut abfahren.
Nach finaler Lagebesprechung starteten wir am letzten Tag - wieder bei bestem Wetter - von Boden aufs Sattele (2.092 m / 750 hm), das einen historischen Übergang nach Gramais und umgekehrt darstellt. Im beeindruckenden Nordostkar ging es einsam und wenig steil, zuletzt jedoch mit zehn Metern Entlastungsabständen, hoch ins Kar zum finalen Grat. Die Abfahrtsvariante nach Gramais hinunter sah wenig einladend aus: zunächst abklettern, danach zu wenig Schnee. Nach einer kalten zugigen Rast, ging es daher den gleichen Weg im besten Pulver, wenig verspurt, im Nordhang ins Tal. Bei den letzten Schwüngen rammte unser Leiter noch einen verdeckten Stein und legte einen filmreifen Köpfer im Schnee hin. Gott sei Dank war außer einer kaputten Brille nichts weiter passiert. Die letzten Abfahrtsmeter waren recht hakelig, dennoch kamen alle gut am Parkplatz an.
An diesem Wochenende gab es in den Alpen sehr viele Lawinenunfälle. Wir waren daher alle froh, dass wir dennoch abwechslungsreiche Tourentage hatten und alle frischgestärkt nach einer Kaffeepause mit Krapfen im M-Preis wohlbehalten miteinander nach Hause fahren konnten.
Jutta Seyfried