© Zeno Göschl

Dem Himmel ganz nah: Tour du Ciel

Skihochtour von Zermatt ins Val d’Anniviers

29.04.2026

Die Tour du Ciel ist zwar deutlich weniger bekannt als ihre berühmte Nachbarin, die Haute Route, doch verstecken muss sie sich keineswegs. Die Durchquerung von Zermatt in Richtung St. Niklaus beziehungsweise Val d’Anniviers verbindet abwechslungsreiche Skitouren, beeindruckende Gletscherlandschaften und aussichtsreiche Gipfel zu einem alpinen Gesamterlebnis der Extraklasse. Für unsere kleine Gruppe mit Zeno, Melissa, Dominik und Thomas wurde die Tour zu einer unvergesslichen Woche in den Walliser Alpen.

Tag 1 – Nassstart zur Schönbielhütte

Am 29. April treffen wir uns bereits um 06:30 Uhr am Münchner Hauptbahnhof. Nach einer - wie so oft bei der Deutschen Bahn - verspäteten Anreise erreichen wir nach gut 10 Stunden Fahrt mit Skistiefeln Zermatt und starten gegen 16 Uhr zur ersten Etappe. Über die mittlerweile aufgelassene Talabfahrt gewinnen wir rasch an Höhe. Der Regen, der schon bald beginnt, geht mit zunehmender Höhe in Schneeregen über.

Als wir schließlich gegen 20:30Uhr die Schönbielhütte erreichen, sind wir bis auf die Haut durchnässt. Glücklicherweise sind nur wenige Gäste auf der Hütte, sodass wir den Gastraum nutzen können, um Kleidung und Ausrüstung zu trocknen. Auch kulinarisch meint es das Schicksal gut mit uns: Trotz unserer späten Ankunft bekommen wir noch ein vollständiges 3 Gänge Abendessen serviert. Besser hätte der erste Tag nach diesem holperigen Start kaum enden können

Tag 2 – Matterhorn-Panorama und Pulver am Mont Durand

Der folgende Morgen entschädigt uns für den nassen Auftakt. Strahlender Sonnenschein und ein Paradeblick auf das Matterhorn begrüßen uns beim Frühstück. Die frisch verschneite Bergwelt präsentiert sich von ihrer schönsten Seite. Der Neuschnee und die warmen Temperaturen gehen eine innige Verbindung mit den Fellen ein…

Vom Skidepot steigen wir über die Schlussflanke auf den Mont Durand (3.712 m). Die Aussicht vom Gipfel reicht weit über die vergletscherten Walliser Alpen. Anschließend genießen wir eine traumhafte Pulvernordabfahrt entlang des Glacier du Durand.

Der Tourentag ist damit jedoch noch nicht vorbei. Ein letzter schweißtreibender Gegenanstieg über die steile Seitenmoräne führt hinauf zur Cabane du Mountet auf knapp 2.900 Metern. Die letzten Höhenmeter fordern nochmals alle Reserven, bevor wir die idyllisch gelegene Hütte erreichen und die Nachmittagssonne auf der Terrasse genießen.

Tag 3 – Die Königsetappe über den Arête du Blanc

Bei erneut bestem Wetter wartet die wohl spektakulärste Etappe der Tour: Über weite Gletscherflächen nähern wir uns dem Arête du Blanc, einem schmalen Firngrat, der alpine Spannung mit grandioser Aussicht verbindet. Der letzte Abschnitt verlangt sogar kurze Kletterei im Blockgelände.

Pünktlich zur frühen Mittagspause erreichen wir den Dôme (3.643 m). Was folgt, ist eine der schönsten Abfahrten der gesamten Woche. Über den Glacier de Moming schlängeln wir uns durch ein faszinierendes Labyrinth aus Gletscherspalten. Die Bedingungen könnten kaum besser sein: Perfekter Butterfirn begleitet uns talwärts.

Am Nachmittag erreichen wir die Cabane d’Arpitettaz, eine kleine und urige Hütte, die von Freiwilligen der Sektion mit viel Herzblut bewirtschaftet wird. Fernab großer Massen erleben wir hier uriges Hüttenflair.

Tag 4 – Auf das Bishorn, den Viertausender der Tour

Nach einem kurzen Kletterstück am Fixseil über die Crête de Milon setzen wir unseren Weg zur Cabane de Tracuit fort. Die moderne Hütte thront wie ein futuristisches Raumschiff auf ihrem Felsvorsprung unterhalb des Bishorns.

Nach einer kurzen Rast und Materialdepot machen wir uns am Nachmittag auf den Weg zum höchsten Punkt unserer Woche: dem Bishorn (4.149 m). In der warmen Nachmittagssonne zieht sich der Anstieg ganz schön in die Länge. Schritt für Schritt arbeiten wir uns über den weitläufigen Gletscher nach oben.

Doch die Mühe lohnt sich. Vom Gipfel eröffnet sich ein überwältigendes Panorama auf die großen Walliser Viertausender und wir sind alleine am Gipfel. Weisshorn, Dent Blanche, Zinalrothorn und viele weitere Gipfel erscheinen zum Greifen nah. Ein Moment, der allen lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Tag 5 – Traumabfahrt ins Val de Zinal

Für die letzte Etappe zwingt uns der Schneemangel zu einer kleinen Planänderung. Um einen langen Talhatscher zu vermeiden, entscheiden wir uns für die Variante über das Val de Zinal.

Vom Col des Arpettes beginnt eine fantastische Abfahrt nach Westen. Auf zwar hart gefrorenem aber völlig unverspurtem Schnee ziehen wir unsere Schwünge bis zur Schneegrenze auf etwa 2.200 Metern Höhe. Ein würdiger Abschluss dieser großartigen Durchquerung.

Anschließend schultern wir die Ski und wandern die letzten rund 600 Höhenmeter entspannt ins Tal. Kaum angekommen, fährt auch direkt schon der Bus ein. Komfortabler kann eine Skidurchquerung kaum enden. Mit einigen Umstiegen geht es zurück Richtung München.

Fazit: Die Tour du Ciel hat sich als echte Alternative zur Haute Route erwiesen. Spektakuläre Grate, eindrucksvolle Gletscherlandschaften, einsame Hütten, ein Viertausender und - wo noch vorhanden - gute Schneebedingungen machten diese Woche zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Abgesehen vom nassen Auftakt wurden wir mit bestem Wetter und perfekten Bedingungen belohnt.

Ein besonderes Dankeschön gilt Zeno Göschl, der diese großartige Tour ins USC-Programm aufgenommen und organisiert hat. Solche Unternehmungen zeigen einmal mehr, warum Skibergsteigen weit mehr ist als das Erreichen von Gipfeln: Es sind die gemeinsamen Erlebnisse und die unvergesslichen Eindrücke, die bleiben. Alles in allem: Eine grandiose Woche in den Walliser Alpen, die allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Thomas Furkel