© Hermann Göb

Beste Aussichten

Skitouren im Piemont und den französischen Seealpen

12.02.2026

Wir befinden uns im Jahr 2026 (Mitte Februar, um genau zu sein). Die gesamten Alpen sind in dieser Wintersaison von Schneearmut betroffen… die gesamten Alpen? Nein! Ganz im Südwesten des Alpenhauptkamms leistet Gallia Liguria erbitterten Widerstand…

Eigentlich hatte unser Skitouren-Guide Riccardo Scandroglio eine Skitour in einem Naturreservat zwischen Graubünden und dem Tessin geplant. Aufgrund der schlechten Schneeverhältnisse dort organisierte er die Tour kurzerhand um, suchte sich eine deutlich lohnendere Destination und schrieb die Tour wieder aus. Riccardo köderte die Teilnehmer*innen mit „dem Kennenlernen einer schönen Region“, „den schneemäßig paradiesischen Bedingungen“ und den zu erwartenden „kulinarischen Erlebnissen“ – es sollte in die piemontesischen und französischen Seealpen gehen!

So machten sich am Donnerstagnachmittag sieben Teilnehmer und der Guide in Richtung Südwesten auf. Immerhin begann die Tour mit einer zirka neunstündigen, anstrengenden Anfahrt mit dem Auto, die aber durch eine Übernachtung in einem schönen Berghotel vor den Toren des Naturparks Marguareis versüßt wurde.

Am nächsten Tag ging es in den Naturpark, wo wir die nächsten zwei Tage verbrachten. Das Rifugio Pian delle Gorre diente uns als Quartier, und die Hüttenwirte schafften es, uns mit einfachen Mitteln beträchtlich zu verwöhnen. Für den Freitag wurde ein Gipfel im Park als Skitourenziel festgelegt, wobei hier die Herausforderung darin bestand, durch den relativ dichten Baumbestand wieder heil unten anzukommen. Dies sollte allerdings erst das „Warmlaufen“ für den Samstag sein, für den heftige Schneefälle vorhergesagt waren. Man stelle sich also vor: Ein Tag, an dem es ohne Unterlass schneite, der uns über 50 cm Neuschnee bescherte, bei dem uns dieser Neuschnee immer wieder aus den überlasteten Baumkronen auf die Köpfe plumpste, bei dem ein Spuren nur mit ständigem Abwechseln des Spurengehers beziehungsweise der Spurengeherin möglich war, bei dem man vor lauter Neuschnee die Skier in der Abfahrt kaum aus dem Schnee bekam. Einen solchen Tag konnten selbst passionierte Skitourengeher aus der Gruppe kaum in ihrem Erfahrungsrepertoire aufweisen. Wie gut, dass wir uns nach dem Abenteuer in unserer Hütte ausbreiten und unsere Sachen zum Trocknen aufhängen konnten. Die von den Anstrengungen des Tages müden Beine streckten wir in Richtung des bollernden Holzofens. Dennoch hatten wir vor, abends noch nach Frankreich, also Richtung Süden und durch den Grenztunnel, zu fahren. Dieses Vorhaben stand kurzfristig auf der Kippe, nachdem es Gerüchte gab, die Passstraße und der Tunnel seien aufgrund der heftigen Schneefälle unpassierbar. Dies erwies sich glücklicherweise als falsch, so dass wir die Nacht in einem historischen Hotel in Tende verbringen konnten.

Von dort aus war es eine kurze Fahrt ins Vallée des Merveilles – der Name war hier Programm: Ein wunderschöner, sonniger Tag mit pulvrigem Neuschnee und mit Schneegebilden, die zu fantasievollen Figuren aufgetürmt waren. Dazu die immer wieder netten Skitourenkolleg*innen anderen Gruppen, welche uns in Gespräche über Fauna, Flora und Tourenmöglichkeiten in der Region verwickelten. Auf dem Mont Paracouerte angekommen, genossen wir die fantastische Aussicht, vor allem Richtung Süden: das Mittelmeer war zu sehen, dazu die hohen Berge Korsikas. Einige meinten sogar, ganz weit weg Sardinien oder den Kilimandscharo in der Nachmittagssonne blitzen zu sehen…

Übernachtet wurde in der einfachen Refuge d’Hiver, und am nächsten Tag wurde der Mont Bégo, der heilige Berg der Region, angepeilt. Leider verschworen sich die Götter des Windes gegen uns, so dass das Ziel unerreichbar blieb. Dieser Gipfel sollte also für das nächste Mal bleiben, und wir fuhren wieder zurück in den Piemont.

Im Vallone Grande unweit des Naturparks „Seealpen“ konnten wir uns vor Ort ein Bild davon machen, wie kreativ die dort lebenden Menschen mit dem Problem der dünn besiedelten Gegend umgehen. Unser kleines Berghotel in der Ortschaft Palanfrè befand sich ganz weit oben in den Bergen, dort nämlich, wo die Straße und die Zivilisation aufhörten. Dennoch vereinte das Hotel mehrere Funktionen: Übernachtungsplatz, Restaurant, Versammlungsort, Dorfdiskothek, Verkauf von Naturprodukten vom Bauernhof – und das sowohl für Einheimische als auch für Touristen. Wir begaben uns an unserem letzten Tag bei herrlichem Sonnenschein auf einen namenlosen Gipfel mit Blick auf den Monte Garbella. Nach Norden blickend, erstreckte sich das Panorama auf einen Großteil der Po-Ebene mit den nächstgelegenen Städten Cuneo und Turin. Die Sicht war so spektakulär, dass manch einer sich sogar einbildete, ganz weit im Osten den Glockenturm von San Marco in Venedig zu sehen…

Am Dienstagnachmittag mussten wir dann endgültig die Heimreise antreten. Bei der Verabschiedung leuchteten die Augen aller Teilnehmer*innen noch im Rückblick auf die Erlebnisse und Abenteuer der letzten sechs Tage. Annette, Birgit, Georg, Hermann, Jutta, Thilo und Yvonne sagen dir hiermit noch einmal, lieber Riccardo: Eine bombastische Unternehmung!! Vielen Dank dafür, dass du diese Tour so toll organisiert und erfolgreich geführt hast!

Hermann Göb