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Alpenrösli Tours

Skitouren im Safiental/Graubünden

05.02.2026

Seit Wochen kein Schneefall.  Per Mail hatte Anker Brunner die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits auf schlechte Bedingungen und mögliche Alternativen zum Skitourengehen eingestimmt: „Wir haben für alle Schneeschuhe, wofür man auch Wanderschuhe bräuchte….“

Wir packen also nicht nur Skier, sondern auch Wanderstiefel in die Autos. Bei der Anreise ins Graubündener Safiental scheinen sich unsere schlimmsten Befürchtungen zu bewahrheiten: weit und breit nur apere Hänge. Auch die Begrüßung unserer Vermieterin stimmt uns nicht unbedingt optimistischer: „Die Einheimischen“, erklärt sie uns, „gehen bei so wenig Schnee nicht auf den Berg.“

Wir – Bettina, Monika, Markus, Ulli und Christian – sind daher fast schon erstaunt, als Anke bei der Tourenbesprechung am Abend eine Skitour auf das Strätscherhorn (2558) für den nächsten Tag vorschlägt.

Die Aufstiegsspur ist vorhanden, aber gesäumt vom braunen Laub der „Alpenrösli“. Die Abfahrt entpuppt sich – trotz erheblicher Lawinengefahr, Steinen und Bruchharschpassagen – als erstaunlich gut. Das Umfahren der „Alpenrösli“ betrachten wir dabei als sportliche Herausforderung.

Den Abend nutzen wir zum Teambuilding in der Küche: Bei der Zubereitung der Pizza gibt es mindestens so viele Meinungen wie Köche; das Backrohr leidet unter Stromausfällen und verfügt auch nur über ein einziges Backblech. Doch am Ende gelingt es vereinten Kräften ausreichende Pizzamengen herzustellen.

Ermutigt durch die recht passable Tour vom Vortag besteigen wir am nächsten Tag den Piz Guw (2707). In der Nacht ist ein klein wenig Neuschnee gefallen, sodass die Bergwelt nun bei strahlendem Sonnenschein tatsächlich ein wenig winterlich aussieht. Wer hätte das gedacht! Die Abfahrt ist auch heute wieder besser als gedacht und endet glücklich im Gässlihof am Ende des Safientals bei Milchkaffee und Bündner Torte.

Der dritte Tourentag führt uns aufs Tällihorn (2856), dessen steil abfallender Gipfelhang schon von weitem zu sehen ist. Die Abfahrt entpuppt sich als äußerst abwechslungsreich – von Pulver bis Bruchharsch war alles geboten, die Schneeverhältnisse wechseln dabei im Sekundentakt. Der Tag endet in unserer Ferienwohnung mit einem Fondue – Ulli verwöhnt uns mit selbstgebackenem Weißbrot und einem Tessiner Käsefondue, das er nach einem Familienrezept mit Tomaten und Paprika zubereitet.  

An unserem letzten Tag gehen wir direkt von der Unterkunft hinauf auf den Camaner Grat. Das schöne Wetter der vergangenen Tage hat noch mehr „Alpenrösli“ freigelegt und während der sternklaren Nacht ist die Oberfläche des noch verbliebenen Schnees hart gefroren. Die Abfahrt durch den Bruchharsch ist noch einmal eine Herausforderung für alle.

Unten angekommen bewirtete uns der Inhaber des „Beizi“ im ehemaligen Schulhaus mit Bündner Nusstorte und Apfelkuchen. Danke, Anke! Es war ein wunderschönes Wochenende. Und die Schneeschuhe haben wir nicht gebraucht.

Am Ende steht eine geradezu philosophische Erkenntnis: Wenn man den Erwartungshorizont weit genug herunterschraubt, gibt es keine Enttäuschungen aber viele positive Überraschungen.

Monika Weiner